Bernhard Fragner, Globe Air
«Wir werden unsere Flotte durch modernere Cessna Citation M2 austauschen»
Globe-Air-Gründer Bernhard Fragner über die Kritik von Klimabewegungen, Flottenerneuerung und sein neues Geschäftsmodell.
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Bernhard Fragner: «Wir liegen heute rund 22 Prozent über den Werten von 2019.»
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Bernhard Fragner: «Wir liegen heute rund 22 Prozent über den Werten von 2019.»
Inwiefern hat die Corona Pandemie und die Zeit danach die Branche verändert?
Bernhard Fragner: Corona hat der Branche ganz allgemein sicher ganz gutgetan und neue Kunden gebracht. Jene Kunden, die während der Pandemie erstmals zu uns gekommen sind und unser Produkt kennengelernt haben, sind auch geblieben. Rund 70 Prozent jener Kunden sind uns erhalten geblieben, was ein gutes Zeichen ist. Ein weiteres Thema für uns ist natürlich die große Inflationswelle der vergangenen Jahre in der auch wir unsere Kosten eingepreist haben, denn nicht nur die Gehälter mussten wir in den vergangenen Jahren zweimal massiv erhöhen, was natürlich geschmerzt hat, sondern auch sonst überall sind plötzlich die Kosten gestiegen. Diese Teuerungen haben sich in der Branche überall fortgesetzt, im Handling, bei den Flughafengebühren und bei den Treibstoffen, weshalb wir auch unsere Preise angleichen mussten. Zum Glück hat die ganze Industrie dies getan, weshalb kein neuerlicher Preiskampf mit sinkenden Erträgen unter den Anbietern entstanden ist.
Vor nicht allzu langer Zeit gab es zahlreiche Sabotageakte gegen Businessjets in Europa, wovon auch Globe Air in Amsterdam betroffen war. Wurden die Schäden beglichen und konnte man die Personen zur Verantwortung ziehen?
Der Schaden an unserem eigenen Flugzeug war mit unserer Vollkaskoversicherung gedeckt. Wir haben versucht eine Klage einzubringen die noch läuft, doch das ist sehr mühsam, da Greenpeace die Identität der Person schützt, die den Schaden angerichtet hat. Wir sind hier noch dabei, mit dem Staatsanwalt die Person ausfindig zu machen und zur Verantwortung zu ziehen.
Sind Sie immer noch so heftiger Kritik durch Klimabewegungen ausgesetzt?
Grundsätzlich hat sich das Thema erst einmal beruhigt, wobei wir in Österreich mit einer Person von Greenpeace ein besonderes Problem haben, da sich diese Person besonders aktiv gegen das Thema Privatjets ausspricht. Vielleicht wird sich das mit einer neuen Regierung bessern, da sich die frühere österreichische Umweltschutzministerin gegen die Luftfahrt, und hier im Besonderen gegen die Privatjets ausgesprochen hatte. Auf europäischer Ebene ist es auf alle Fälle nach den ersten Verhaftungen und Verurteilungen wesentlich ruhiger geworden.
Wir liegen heute rund 22 Prozent über den Werten von 2019.
Ist die Nachfrage nach Bedarfsflügen in Europa weiterhin hoch?
Definitiv! Wir liegen heute rund 22 Prozent über den Werten von 2019. Auch die Nachfrage zwischen 2023 zu 2024 war hoch stabil. Wir haben uns bei den Pilotenbedarf damals etwas verschätzt und super konservativ geplant, weshalb wir tatsächlich zeitweise mehr Nachfrage als Piloten hatten.
Und wie wird sich ihrer Meinung nach das Geschäft weiterentwickeln?
Ich glaube tatsächlich, dass 2025 ähnlich wird wie 2024 – oder vielleicht sogar noch etwas besser. Die Zinsen sind niedrig und die Unternehmen haben gelernt, mit Krisen um zu gehen. Was zur Sorge werden kann, ist, dass große Unternehmen Insolvenzen anmelden könnten. Hier ist der österreichische Motorradhersteller KTM ein prominenter Kunde von uns. Man muss das Thema aber gesamteuropäisch sehen, der deutsche Mittelstand steckt tief in der Krise, dafür hat sich der englische Markt gut erholt und die Buchungen sind nach dem Brexit wieder zurückgekommen. Generell ist der englische, französische und Schweizer Markt für uns besonders wichtig. Ich würde sogar sagen, dass im letzten Jahr kein Tag vergangen ist, wo nicht zu mindestens ein Globe-Air-Flug ab Paris, Nizza, London, Zürich oder Genf abgeflogen wäre.
Sie haben gerade einen neuen Hangar am Flughafen Linz eröffnet, warum gerade dort?
Wir benötigen eine eigene Wartung, um flexibel zu sein, weshalb wir uns zuerst einmal europaweit nach einem Standort umgesehen hatten. Nach Abwägung verschiedener Optionen haben wir uns aber schlussendlich dazu entschlossen, eine Ausschreibung für einen Hangar Neubau auf unserer Heimatbasis in Linz zu machen, der ganz nach unseren Wünschen konzipiert wurde. Im September 2023 wurde mit den ersten Arbeiten zum Bau des neuen Hangars begonnen. Heute verfügen wir über einen 1200 Quadratmeter großen Hangar zuzüglich 900 Quadratmetern Büro und Lagerflächen, wo bis zu sieben Flugzeuge gleichzeitig abgestellt werden können.
Wie sieht es mit der weiteren Flottenentwicklung aus?
Die Ablösung unserer Cessna Citation Mustang 510 steht an. Durch den zeitlichen und finanziellen Aufwand für das Hangar-Projekt, hat sich die Ablöse zuletzt etwas verzögert. Wir werden aber schon in Kürze unsere Flotte durch modernere Cessna Citation M2 Gen 2 austauschen. Wir transformieren dazu unser Geschäftsmodel auf Fractional Ownership um, nachdem der Kaufpreis pro Jet von rund vier Millionen Euro beim Mustang 510, auf sechseinhalb Millionen Euro pro Flieger ansteigt. Wir haben dazu mit vielen unserer Kunden gesprochen, diese sind offen für das Thema und wollen dieses Geschäftsmodell unterstützen. Die Flugzeugflotte wird dabei annährend gleich groß bleiben und der Flottentausch sowie die Transformation des Geschäftsmodells soll bis 2030 abgeschlossen sein.
Derzeit verhandeln wir mit einem Eigentümer, der sich von seinem Flugzeug aus finanziellen Gründen trennen muss – nach gerade einmal 7,5 Flugstunden.
Wann soll das Projekt starten?
Bereits jetzt, im zweiten Quartal 2025. Wir sprechen derzeit mit Textron und dem Sekundärmarkt über verfügbare Flugzeuge, wir kaufen gemeinsam mit den Fractional Owners entweder Neuflugzeuge oder junge gebrauchte, etwa Flugzeuge, die produziert wurden, aber von den Kunden aus finanziellen Gründen nie abgeholt wurden oder Jets mit nur wenigen Flugstunden. Bereits jetzt beginnen wir mit den Typratings für unsere ersten Piloten. Textron Aviation mit dem Team Europa ist tatsächlich sehr unterstützend und ein echter Partner. Unsere Vision ist, 30 Flugzeuge M2G2 bis 2030 für unsere Fractional Owner zu betreiben. Dies würde in Summe ein Gesamtinvest von mehr als 200 Millionen Dollar bedeuten.
Und die gewünschten Flugzeuge sind am Markt sofort verfügbar?
Tatsächlich! Man kann es eigentlich gar nicht glauben, denn normalerweise beträgt die Lieferzeit für einen neuen Textron Citation M2 Jet rund zwei Jahre. Wie gesagt, einige Flugzeuge sind aus finanziellen Gründen nie vom Hersteller abgeholt worden. Derzeit verhandeln wir mit einem Eigentümer, der sich von seinem Flugzeug aus finanziellen Gründen trennen muss – nach gerade einmal 7,5 Flugstunden.
Im Vergleich zum bisherigen Produkt ist die M2 eine Nummer größer?
Die M2 verfügt über sechs vollwertige Sitzplätze, eine geschlossene Toilette, mehr Reichweite und Nutzlast. Ist also um eine Nummer größer als unsere bisherigen Jets. Die Flieger haben aber im Allgemeinen ein sehr ähnliches Flugprofil wie unsere bisherigen Maschinen. Die operativen Kosten liegen rund 22-25 Prozent höher, wobei der Kunde aber bereit ist, dies zu bezahlen aufgrund des erhöhten Komforts.
Und was passiert mit ihren alten Flugzeugbestand?
Da haben wir alle Möglichkeiten vom Ausschlachten bis zum weiteren Verkauf abgewogen. Wir haben uns dazu entschlossen, unsere Flugzeuge vor allem nach Nord- und Südamerika zu verkaufen, da es dort einen interessanten Markt gibt.
*Bernhard Fragner, geboren 1972, gründete im Jahr 2007 die österreichische Charterfluggesellschaft Globe Air, die sich auf Geschäfts- und Privatkunden spezialisiert hat. Er ist auch Chef des Unternehmens. Als Kind wollte Fragner Pilot oder Arzt werden, studierte dann aber Industrieanlagenbau.